Ein kleiner Adventsgruß

Liebe Freunde und Mitglieder der Evangelischen Gemeinde am Schlossplatz,

sicher habt ihr es auch schon vermisst: Auch in diesem Jahr hatten wir leider keine große Adventsfeier. Das war ja sonst immer das große Highlight am 2. Advent gewesen, wo wir ein buntes Programm mit ganz verschiedenen Beiträgen, weihnachtlicher Musik, einer stimmungsvollen Dekoration und einem großen Jahresrückblick hatten. Bei Kaffee und allerlei Weihnachtsbäckerei im großen Saal mit 100 Leuten, das vermissen wohl viele.

Vielleicht ist der anfängliche Schrecken und die Verunsicherung durch die Corona-Krise etwas in den Hintergrund getreten. Doch ein wenig sitzt es wohl uns allen noch ständig im Nacken, und ich bin mir nicht sicher, ob diese latente Angst uns nicht noch bis weit in das nächste Jahr hinein begleitet.

Angesichts einer bedrohlichen Situation gelassen zu bleiben und Gott zu vertrauen, das ist eine besondere Kunstform des Glaubens. Gerade dann nicht die Flucht anzutreten oder wegzulaufen, sondern sich in aller Ruhe an einen gedeckten Tisch zu setzen, das erfordert mehr als nur zurückgehende Inzidenz-Werte.

Im Psalm 23 zeichnet David uns genau so ein Bild: Mitten in der Krise, im Angesicht seiner Feinde, deckt Gott selbst ihm den Tisch, an dem er sich wohl behütet niederlassen kann. Diese besondere Mahlzeit fällt nicht aus. Es wird auch nicht gespart, sondern Gott schenkt ihm voll ein.

Aber nicht nur diese unheimliche Gelassenheit mitten in der Krise ist das, was den Psalm 23 so einzigartig macht. Ja, dieser gedeckte Tisch im Angesicht der Feinde, das können wir ja noch nachspielen: Sicher werden die meisten von uns für die Feiertage nicht nur Wasser und Brot geplant haben, sondern leckeres Essen in Hülle und Fülle im Kreis der engsten Familie oder mit guten Freunden. Allein das wäre schon erfreulich.

Aber der Psalm blickt ja noch weiter: Er endet mit den Worten: „Ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.“

Ich würde mir wünschen, dass wir bei alledem, was uns gerade sehr konkret und dringend beschäftigt, diesen Blick neu einüben. Es gibt eine Adventsfeier, die sich nicht nur um einen fröhlichen Jahresrückblick dreht – oder die uns in eine positive Weihnachtsstimmung hineinnimmt. Es gibt eine Adventsfeier, die tatsächlich diesen Tag herbeisehnt, an dem Christus sichtbar und spürbar eingreift in unsere Welt. Ein Tag, an dem die Zeit von der Ewigkeit verschlungen wird, und an dem alles neu wird.

Psalm 23 nennt diesen Zustand: Bleiben im Haus des HERRN immerdar. Echte Heimat gefunden haben. Eine Feier, für die man endlich keine Hygieneregeln mehr braucht und auch kein Zertifikat. Eine Hochzeitsfeier, zu der alle eingeladen sind, und von der es im letzten Buch der Bibel heißt: „Und der Geist und die Braut sprechen: Komm! Und wer es hört, der spreche: Komm! Und wen dürstet, der komme; wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst.“ (Offb 22,17) Diese Vision treibt mich immer wieder an und gibt mir Hoffnung, dass wir auch die größten Krisen überstehen werden, weil Jesus unser guter Hirte, unser Retter und Erlöser ist.

Gerade in dieser Krisenzeit halte ich es für eminent wichtig, dass wir diese Perspektive der Adventszeit tief verinnerlichen: Der Blick auf den wiederkommenden Herrn. Der Blick auf die Ewigkeit und auf Gottes überschwängliche Liebe, die allen reichlich den Tisch deckt, das Haupt salbt und den Kelch voll eingießt.

Vielleicht kommt euch die diesjährige Adventszeit im Vergleich dazu vor wie eine nicht enden wollende Durststrecke. Das Tal des Todes aus Psalm 23 hat sich für manche geradezu in den Grand Canyon verwandelt. Viel zu tief, viel zu weit.

Dann möchte ich euch Mut machen: Besinnt euch neu auf das, was unseren Glauben über diese Zeit hinaus verankert in der Ewigkeit Gottes. Lasst ganz bewusst den Tunnelblick los, der euch in die gegenwärtigen Sorgen hinein saugen will. Vertraut auf den, der für euch sorgt. Gerade jetzt. Und dann feiert Weihnachten als einen heimlichen Vorgeschmack auf das, was noch kommt.

Eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit – und einen behüteten Jahreswechsel

 

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