Der Winter naht…

Liebe Mitglieder und Freunde der Evangelischen Gemeinde am Schlossplatz,

ein besonderes Jahr neigt sich nun langsam dem Ende entgegen. Eigentlich wären wir dieses Jahr 100 Jahre alt geworden. Nun – das sind wir auch, aber feiern konnten wir dieses Jubiläum nicht wirklich. Die Corona-Pandemie hat uns kräftig einen Strich durch die Rechnung gemacht – und sie ist noch lange nicht vorbei.

Wie gerne wären wir jetzt gerade zum Jahresende hin wieder voll durchgestartet: Krabbelgruppe, Jungschar, Kindergottesdienst, Familienfeiern, Seniorenkaffee, Café International und vieles andere mehr.
Ich weiß nicht, ob es Ihnen und euch ähnlich geht wie mir: Mittlerweile trägt die Länge die Last. Es ist klar, dass das nicht nur eine kurze Episode war, sondern uns noch einige Zeit beschäftigen wird. Bei vielen liegen mittlerweile die Nerven blank: Schulanfang, unklare Situationen für die Kinder, vielleicht auch konkrete Sorgen um den eigenen Arbeitsplatz oder um die eigene Gesundheit – oder die unserer Lieben. Und gerade, als man dachte, dass die Lage sich entspannt, rollte eine noch größere Welle auf uns zu als schon im Frühjahr.

Ich möchte Ihnen und euch an dieser Stelle zunächst einmal ganz herzlich danken für alle Geduld. Ganz besonders den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die während all dieser Zeit viel Engagement aufgebracht haben, um mit Kreativität und Liebe die Gemeinschaft hochzuhalten: „Wundertüten“, Veranstaltungsplanung, Besuche, Telefonate, praktische Hilfe und ermutigende Worte. Wie gut tut es, wenn man zwischendrin bei der Frage „Wie geht s dir?“ spürt, dass dahinter ehrliches Interesse und Fürsorge stecken.

Wie geht es in den kommenden Monaten weiter? Nun – auf diese Frage hätte ich selbst gerne eine definitive Antwort. Die derzeitige Entwicklung macht es schwer, lange voraus zu planen. Wir haben im Frühjahr aber einiges an Erfahrung gesammelt, uns auch auf andere Weise regelmäßig zu vernetzen. Das wollen wir weiterhin beibehalten, auch wenn unsere Vor-Ort-Veranstaltungen noch nicht wieder so stattfinden können.

Heute steht in der Losung ein sehr mutmachendes Wort: „Siehe, der Hüter Israels schläft noch schlummert nicht.“ (Psalm 121,4)

Gerade der Psalm 121 drückt die Hoffnung auf Gottes Hilfe in einer bedrückenden Lage aus. Dabei fällt mir auf, wie stark z.B. die Berichterstattung im Fernsehen auf die Probleme hinweist. Das muss sie wohl auch, aber wie gut ist es, wenn wir unsere Gedanken einmal konkret von diesen Sorgen losreißen und uns eine Frage stellen, die eine äußerst mutmachende Antwort hat: „Woher kommt mir Hilfe? – Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat“ (V.2)

Ich empfinde diese Zeit als eine besondere Bewährungsprobe für unser Vertrauen auf Gott: Bei aller gebotenen Vorsicht und Einhaltung der Hygieneregeln sollten wir niemals diese geistliche Dimension außer Acht lassen: Es gibt einen Faktor in dieser Pandemie, der in den Fernsehnachrichten fehlt: Mitten in allem Wandel und in Unsicherheit gibt Gott uns Trost und Sinn – und Hoffnung!

Wenn wir nun auf das Ende des Kirchenjahres und auf die Adventszeit zugehen, lasst uns daran denken, dass die Botschaft von Gottes rettender Liebe gerade jetzt neu hörbar und relevant werden wird. Lasst uns das hochhalten – und dann mutig und getrost in die kommende Zeit gehen.

Herzliche Grüße,
Matthias Störmer