Gemeinde – Übungsfeld

Ich möchte heute die Predigtreihe zum Thema „Gemeinde“ fortsetzen. Heute geht es um Gemeinde als „Übungsfeld“.
Wenn wir uns mal einen Moment Zeit nehmen, über den Sinn und Zweck von Gemeinde nachzudenken, dann merken wir Folgendes:
Die meisten Christen die ich kenne, lieben es, in eine gute Gemeinde zu gehen. Aber was ist eine gute Gemeinde? Es kommt immer wieder mal vor, dass ich andere Christen kennenlernen und ihnen von unserer Gemeinde hier erzähle. Und eine der ersten Fragen, die fast immer gestellt werden, ist: Wie groß seid ihr denn? Wie viele Leute kommen denn so in den Gottesdienst?
Ich frage mich, was uns dazu bringt, so eine komische Frage zu stellen. Kann man denn von der Größe einer Gemeinde auf ihre Qualität schließen?


Statt zu fragen, wie viele Leute in den Gottesdienst kommen – wäre es nicht viel wichtiger zu fragen, wie sich das Leben dieser Menschen verändert hat, seit sie in die Gemeinde kommen?
Wenn Sie andere Christen treffen, die ihnen von ihrer Gemeinde vorschwärmen, und Sie wollen sie mal so richtig verunsichern, dann stellen Sie mal folgende Frage: „Wie hat sich dein Leben verändert, seit Du in die Gemeinde gehst? Bist Du geistlich reifer geworden? Hat dir die Gemeinde geholfen, Christus ähnlicher zu werden? Hat die Gemeinde dich durch Krisen begleitet? Hast Du dort schon einen Platz gefunden, deine Berufung zu leben?
Ich garantiere Ihnen große Irritationen und ratlose Blicke.
Die Kriterien, nach denen sich viele Christen heute eine Gemeinde suchen, sind stark von unserem allgemeinen Lebensstil geprägt: Wir haben in fast allen Lebensbereichen großartige Wahlmöglichkeiten, und wir suchen uns die Produkte aus, die uns am besten gefallen. Dabei spielt es eine große Rolle, dass eine Gemeinde attraktiv wirkt. Dazu gehört das Äußere, angefangen bei der Parkplatzsuche über saubere und moderne Räumlichkeiten, stimmungsvolles Licht und guter Ton, inspirierende Musik, angenehme Gesellschaft und nicht zuletzt ein gutes Mittagessen und eine Tasse Kaffee.
Und ja: Ich bin sehr dafür, dass all diese Dinge eine Rolle spielen.
Schwierig wird es dann, wenn diese Elemente so sehr ins Zentrum rücken, dass sie wichtiger werden als unser übergeordnetes Ziel.
Ich mache es mal an einem Beispiel deutlich: In Schwetzingen gibt es verschiedene Fitness-Studios. In allen kann man trainieren. Alle haben das Ziel, uns zu helfen, fitter zu werden, Muskeln zu trainieren, Ausdauer aufzubauen und so weiter.
Trotzdem: Wer in ein Fitness-Studio gehen will, schaut vielleicht vorher mal, was da alles geboten wird. Kommt man leicht hin? Sind die Mitarbeiter freundlich? Sind die Räume sauber und modern? Gibt es vielleicht noch einen Wellness-Bereich? Gefällt mir die Musik, die im Hintergrund läuft?
Und jetzt stellen Sie sich mal vor, die Leute würden nur deshalb ins Fitness-Studio gehen. Nur wegen der netten Mitarbeiter und der Hintergrundmusik und weil die Geräte so toll aussehen. Aber sie würden nicht trainieren. Das wäre kurios, oder?

Zurück zur Gemeinde: Wofür trainieren wir hier? Worauf läuft unser Leben als Christen hinaus?
Was heißt es denn, dass Christus dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat durch das Evangelium? (2. Tim 1,10)
Inwiefern macht uns die Gemeinde fit für das Leben? Und inwiefern macht sie uns bereit, dass wir uns auch der Frage nach dem Tod stellen können?
Der offizielle Predigttext für den heutigen Sonntag steht in der Apostelgeschichte 12. Da hatte sich die erste Gemeinde in Jerusalem gerade so richtig schön entwickelt, aber auf einmal kam es zu einer massiven Christenverfolgung durch Herodes. Er ließ Jakobus, einen der 12 Apostel, köpfen und folterte andere. Auch Petrus wurde von ihm gefangen genommen, und beim nächsten Passahfest wollte er auch Petrus hinrichten lassen.
Diese Geschichte erzählt uns, dass die ganze Gemeinde für Petrus betete, und dass Gott in der Nacht einen Engel schickte, um ihn aus dem Gefängnis zu befreien.
Man könnte jetzt lange darüber predigen, wie Gott Gebet erhört und wie er durch den Engel dieses Wunder getan hat und Petrus aus dem Hochsicherheitstrakt von Herodes befreit hat. Aber vielleicht verpassen wir dabei den eigentlichen Punkt: Da waren Christen für ihren Glauben eingesperrt worden, einige sogar gefoltert oder getötet worden.
Gott sei Dank werden Christen in Deutschland heute nicht mehr verfolgt. Und hoffentlich passiert das hier nie wieder. Trotzdem: Ist uns das bewusst? Dass es beim Christsein nicht nur um schöne Räume und nette Musik und Gottesdienst mit Kinderbetreuung und Mittagessen gehen kann?
Sondern es geht um die Frage: Wie gehen wir mit Leben und Tod um? Wie überwinden wir den Tod, vor dem wir uns so sehr fürchten? Wie sollen wir leben? Und was hat Gott damit zu tun? Und warum ist es so entscheidend, was Jesus gesagt und getan hat? Und warum ist es so wichtig, dass Jesus genau diese Fragen durchlebt hat: Dass er sehenden Auges in einen gewaltsamen Tod hineingegangen ist, und dass er diesen Tod überwunden hat, und dass er diesem Tod die Macht über unser Leben genommen hat. Und dass er gesagt hat: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben.“ (Joh 11, 25)
Das sind die entscheidenden Fragen: Wie stellen wir uns dem Tod? Wie sollen wir leben in dieser kaputten Welt, und wie können wir ein Leben führen, das Ewigkeitswert hat?

Und jetzt die Frage: Wozu ist Gemeinde da? Ich sagte: Gemeinde ist Übungsfeld. Hier sollen wir gemeinsam lernen und im Glauben wachsen und zu seelisch reifen Menschen werden.
Das geht wie vieles im Leben nicht von alleine, sondern wir brauchen Übung, wir brauchen Bewährungsproben und wir brauchen Gelegenheit, auch mal in einem geschützten Rahmen üben zu können. Eine Gemeinde ist wie ein Trainingsplatz für das Leben, zu dem Du berufen bist. Gemeinde ist Übungsfeld.

Was heißt das?
Menschen entwickeln sich. Sie wachsen. Wir wachsen und reifen und entwickeln uns von einem Säugling zu einem Kind zu einem Jugendlichen zu einem Erwachsenen. Wie Jahresringe an einem Baum gehen wir in unserem Leben durch verschiedene Jahreszeiten, durch Wachstumsphasen. Wir erschließen uns immer mehr Neues, sammeln Erfahrung, entwickeln Fähigkeiten, Weisheit, Lebenserfahrung, Menschenkenntnis.
Und im Glauben ist es genauso. Auch unser Glaube wächst langsam. Gemeinde ist dafür da, dass wir diesen Glauben trainieren und entwickeln können.

Ich möchte heute darum mal darüber sprechen, wie unser Glaube sich entwickelt, durch welche Phasen er durch geht. Wie man bei einem Baum die Jahresringe sehen kann, so sehen wir auch im Glauben bestimmte Entwicklungen und Jahreszeiten. Wir sehen gute Jahre und weniger gute Jahre. Trockenzeiten, Krisen und Fortschritt. Aber ein Baum besteht nicht nur aus dem äußersten Jahresring. Nein, er muss wachsen von ganz innen nach ganz außen. Kein einziger Jahresring darf fehlen.
Vielleicht geht es uns auch so, dass manche Entwicklung, die wir im Glauben an Gott gemacht haben, uns im Nachhinein etwas komisch vorkommt, oder viel zu einfach und simpel im Vergleich zu dem, was wir heute denken. Aber ohne diese Entwicklung wären wir heute nicht hier und nicht so weit.

Wie sehen also diese Entwicklungsschritte im Glauben aus?
Dazu haben viele schlaue Leute schon viel geforscht und nachgedacht, und es gibt eine Menge gute Bücher darüber.
Ich möchte mal nur so ein paar wesentliche Schritte oder Stufen aufzeigen, die auch mit Gemeinde zu tun haben. (Dieses Modell stammt von Robert Guelich und Janet Hagberg aus dem Buch „The critical journey – Stages of life in Faith“)

Stufe 1: Gott erkennen, Kraftlosigkeit
– die erste Stufe ist der Beginn der geistlichen Reise. Wir suchen nach dem Sinn des Lebens. In uns beginnt der Glaube an Gott. Wir beginnen, über Gott zu staunen bzw. an seine Gegenwart zu glauben. Bei manchen Menschen gibt es vielleicht ein einschneidendes Erlebnis oder eine bewusste Hinwendung zu Gott. Manche wachsen schon als Kinder in einen selbstverständlichen Gottesglauben hinein.
Damit diese Entwicklung gesund vonstatten geht, müssen wir eine Antwort finden auf die Fragen: Wer ist dieser Gott? Und wer bin ich? Und wie sieht meine Beziehung zu diesem Gott aus?
Es ist eine Sache, wenn wir über Gott staunen lernen und glauben, dass er da ist. Aber was hat er mit mir zu tun? Was will er von mir?
Es gibt Menschen, die an dieser Stelle sozusagen stecken bleiben. In dieser Stufe kann man feststecken, wenn statt Liebe und Staunen sich ein Gefühl der Wertlosigkeit oder Unwürdigkeit gegenüber Gott aufbaut. Wenn ich glaube: Ja, da gibt es wohl einen Gott, aber ich weiß nicht, ob ich dazu gehöre.
Eine Hilfe, diese Blockade zu überwinden, ist eine starke Gruppe, die einen im Glauben unterstützt. Hier kommt die Gemeinde ins Spiel. Ich brauche Menschen, die mir helfen zu begreifen: Du gehörst dazu! Gott liebt dich und will dich dabei haben. Ich brauche Leute, die mir helfen, die Spielregeln zu verstehen und mich tiefer auf Gott einzulassen.

Stufe 2: Jüngerschaft, Die Kraft der Gemeinschaft
– Hier geht es um Lernen und Zugehörigkeit und um ein Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein und Sicherheit zu finden. Es ist eine Jahreszeit, in der wir empfangen und genährt werden. Die Gemeinde vermittelt mir ein Gefühl der Zugehörigkeit. Ich spüre: Ich sitze im richtigen Boot. Ich gehe mit anderen gemeinsam, und wir sind auf dem richtigen Weg. Dieses Gefühl der Sicherheit ist sehr wichtig, und es verleiht unserem Glauben eine grundlegende Stabilität. Ich lerne auch Regeln, nach denen Christsein funktioniert. Wie kann ich beten? Was sind die wichtigsten Lehren der Bibel? Worauf kann ich mich verlassen?
Aber auch in dieser Stufe kann man feststecken. Das passiert zum Beispiel dann, wenn man in der Gruppe ein „wir gegen die“ – Gefühl und eine zu starke Konzentration auf die Regeln entwickelt. Dann kann auch eine ganze Gemeinde feststecken, wenn sie intolerant und gesetzlich wird.

Stufe 3: Das produktive Leben, Die Kraft der Errungenschaften
Ein nächster wichtiger Schritt im Glauben ist es, wenn man anfängt, seinen eigenen Beitrag wahrzunehmen. Das sind die Christen, die nicht nur die Füße hochlegen und in der Gruppe verschwinden. Nein – diese Leute haben erkannt, dass Gott sie gebrauchen möchte. Sie erkennen ihre Gaben und Fähigkeiten, die sie für andere einbringen können. Sie sind bereit, für Gott und für andere zu arbeiten.
Wir werden uns immer mehr unserer einzigartigen Rolle in der Gemeinschaft bewusst, mit der wir anderen dienen. Hier hat auch die Lehre von den Geistesgaben ihren Platz: Was hat Gott in mein Leben hinein gelegt, welche Fähigkeiten hat er mir geschenkt, mit denen ich anderen Menschen dienen kann?
Menschen, die diese Stufe erreicht haben, sind die tragenden Säulen jeder Gemeinde. Sie halten den Laden am Laufen, sie organisieren und machen und bringen sich ein. Sie haben ihren Platz in der Gruppe gefunden. Sie haben in der Gemeinde Erfolg und werden von anderen oft bewundert.
Auch diese Stufe hat so ihre Schattenseiten. In dieser Stufe kann man zum Beispiel feststecken, wenn man es immer besser machen will und ausbrennt. Vielleicht hat man auch Zweifel oder rutscht in eine Glaubenskrise. Aber wenn man in der Gemeinde eine wichtige Rolle spielt, ist es sehr schwer, eine Glaubenskrise zuzugeben. Man möchte das Gesicht nicht verlieren. Und leider ist es in vielen Gemeinden auch sehr schwer, Zweifel zuzugeben. Darum brennen auch so viele Mitarbeiter aus.

Der Katalysator zu weiterem Wachstum ist das Loslassen der Erfolgsmentalität und das Annehmen eigener Schwäche. Daher ist der Übergang zu weiterem Wachstum oft durch eine persönliche Krise gekennzeichnet.

Stufe 4: Die Reise nach innen, die Kraft der Besinnung
– Diese Stufe ist in der Regel durch eine Lebens- oder Glaubenskrise gekennzeichnet. Tiefere Fragen brechen auf, die man nicht mehr einfach kopfmäßig beantworten kann. Gott wird uns rätselhaft. Er entschlüpft uns aus dem Schema, in das wir ihn vielleicht gesteckt hatten, und unser Glaube erleidet eine Dekonstruktion.
Wir erfahren einen Verlust innerer Gewissheit im Leben und Glauben. Vieles muss auf den Prüfstand und neu durchdacht werden. Dabei verabschieden wir uns von allzu einfachen Antworten und lernen auch, ungeklärte Dinge zu akzeptieren. Wir suchen nicht mehr für alle Geheimnisse und Mysterien eine Antwort, weil wir merken, dass es die einfache Antwort eben nicht gibt.
Diese Stufe ist nicht leicht zu durchleben. Hier kann man feststecken, wenn man ständig nach den richtigen Antworten sucht oder unbedingt die alte Sicherheit festhalten will, die man von früher gewohnt ist. Man kann auch feststecken, wenn man dauernd immer weiter alles grundsätzlich in Frage stellt. („immer lernen und nicht zur Erkenntnis der Wahrheit kommen“).
Um das zu überwinden, müssen wir loslassen lernen. Es geht darum, sich nicht krampfhaft an Gewissheiten zu klammern, die wir ja doch nicht in der Hand haben. Dabei geht es auch darum, unser frommes Ego zu überwinden. Der Preis für diese Überwindung ist letztlich die Bereitschaft, einen Schritt ins Ungewisse zu gehen und Gott zu vertrauen und ihm zu folgen.

Die „Mauer“
Irgendwo vor oder während der Stufe 4 stoßen wir auf einen Ort innerer Entscheidungen. Es ist der geheime Ort, wo unser eigenes Wollen auf das Wollen Gottes trifft. Hier liegt oft der Punkt, wo eine geistliche bzw. seelische Heilung stattfinden muss. Das erfordert Besinnung und Rückzug. (Das letzte Mal habe ich von den vergrabenen Minen gesprochen, die wir entschärfen müssen)
Wir erkennen, was uns blockiert. Es ist das Bedürfnis nach Sicherheit, nach Anerkennung und nach Kontrolle. Wir spüren einen inneren Widerstand, uns den Schattenseiten unseres Lebens zu stellen: Da ist persönliche Schuld und Scham. Da sind Selbsttäuschungen, wo wir uns selbst etwas vormachen. Wir versuchen vielleicht, schlaue Entschuldigungen für unser Leben zu finden oder flüchten uns in die Schützengräben von Bibelversen und frommer Leistung.
Erst wenn wir den Weg der Selbsteinsicht und der Selbstannahme gehen. Wenn wir in stiller Einsamkeit und Besinnung ja sagen zu unseren Grenzen und Fehlern. Wenn wir dann die, Liebe und Nähe Gottes erfahren, dann geschieht Heilung. Dieser Prozess ist in der Regel unangenehm, weil wir loslassen müssen.

Stufe 5: Die Reise nach außen, Die Kraft der Bestimmung
Menschen, die einen solchen Prozess durchlebt haben, sind in der Lage, wieder neu nach außen zu gehen. Sie finden zu einer neuen, tieferen Berufung.
Da geht es jetzt nicht einfach nur darum, mit seinen Gaben eifrig in der Gemeinde mitzuarbeiten, sondern wirklich seiner Berufung gemäß zu leben, motiviert von der Freiheit der Vergebung und inneren Heilung.
Hier hat unsere Seele langsam wirklich Frieden gefunden, und wir können uns wahrhaftig anderen zuwenden, ohne sie zwanghaft „in Ordnung“ bringen zu wollen. Wir leben aus „Christus als Mitte“ und können so andere heilen. Wir haben den Schmerz und den Zorn über unsere eigenen Verletzungen losgelassen und leben aus der Vergebung.
Christen, die in so gewachsen sind, durch Gottes Gnade, werden dann in einer nächsten Stufe zu Menschen, die Christus immer ähnlicher werden.

Stufe 6: Das Leben in der Liebe, die Kraft der Vergebung
Die Bibel nennt diese Menschen „Überwinder“. Menschen auf dieser Stufe tragen die Weisheit eines Lebens in sich, in dem sie vieles durchmachen mussten. Es ist ein Leben, dass durch Lebenskrisen hindurch Gott übereignet und losgelassen wurde. Sie können voller Mitgefühl für andere da sein. Nicht, weil sie sich selbst unter einen gesetzlichen Druck setzen, sondern weil sie charakterlich so geworden sind, so gewachsen sind.

Das waren mal so 6 Phasen oder Jahresringe oder Stufen als Beispiel, wie geistliches Wachstum in einer Gemeinde geschehen kann.
Welche Rolle spielt dabei die Gemeinde als „Übungsfeld?

Zum einen muss uns klar sein, dass es in einer Gemeinde immer unterschiedliche Christen gibt, die in ihrer geistlichen Reise an unterschiedlichen Punkten stehen. Wir sind eine Lerngemeinschaft. Es ist sehr hilfreich, wenn wir uns über unsere Erfahrungen austauschen und uns nicht überfordern. Ich kann nicht erwarten, dass ein Mensch, der gerade erst zum Glauben gefunden hat, in zwei Monaten schon auf Stufe 3, 4 oder 5 angekommen ist.

Zweitens: Niemand von uns ist auf seiner Reise besser oder schlechter als andere. Wir sind alle Lernende. Was unterscheidet einen guten Musiker von einem schlechten Musiker? Ganz egal, wie gut man jetzt gerade spielen kann: Ein guter Musiker ist ein Musiker, der niemals aufgehört hat zu üben. Ein Profifußballer übt mehr als jeder Anfänger.

Drittens: Wir begleiten einander durch Krisen und Zweifel und Fragen. Es ist nicht schlimm, Zweifel zu haben. Zweifel gehören an einer bestimmten Stelle zum geistlichen Wachstum dazu. Schlimm ist es nur, wenn ein zweifelnder Christ keine Hilfe findet. Wenn eine Gemeinde nicht damit umgehen kann, wenn zum Beispiel eine wichtige Mitarbeiterin durch eine Glaubenskrise geht. Dann braucht sie keine Kritik, sondern Zeit und Gebet und andere Menschen, die verständnisvoll zuhören. Darum lasst uns einander durch diese Krisen begleiten.

Viertens: Wir fördern geistlichen Fortschritt. Denn wir möchten ein Segen für unsere Stadt sein, indem wir Menschen hervorbringen, die von Gottes Frieden und Liebe geprägt worden sind. Menschen, die durch ihre persönliche Mauer hindurch gegangen sind. Die geistlich heil geworden sind und die Barmherzigkeit Gottes ausstrahlen.

Gemeinde ist Übungsfeld, von dem Tag an, wo wir Christen werden – bis zu dem Tag, wo wir die Augen zumachen. Sie ist Trainingsplatz für die Herausforderungen dieses Lebens und dieser Welt. Damit wir veränderte Menschen sind, die diese Welt verändern können.