Gemeinde – wozu?

„Ihr seid jetzt nicht mehr Fremde oder nur Gäste, sondern gehört zusammen mit allen anderen Heiligen zu Gottes Familie.“ (Eph 2,19)

Was für eine Ansage! Zu Gottes Familie gehören. Nicht nur Zaungäste, sondern Töchter und Söhne. Voll integriert und mit dabei.

Heute geht es um diese Familie Gottes. Da stellt sich doch gleich die Frage: Wie sieht diese Familie denn konkret aus? Vielleicht kommen einige schon darauf, auf was ich hinaus will: Mir geht es heute um die Gemeinde.

Gemeinde ist eine vielschichtige Sache. Wenn man jetzt mal alle fragen würde, wo wir gerade sind, dann würde daran schon so ein Unterschied sichtbar werden. Denn einige würden sagen: Naja, wir sind gerade in einem Gottesdienst. Und andere würden sagen: Wir sind gerade in der Gemeinde. Und bei denen, die sagen: Wir sind in der Gemeinde, da würden einige das Gemeindehaus meinen.  Und andere würden die Menschen meinen, mit denen wir hier gemeinsam in diesem Haus sitzen und Gottesdienst feiern.

Aber eine noch kniffligere Frage ist:  Wozu eigentlich Gemeinde? Warum kommen wir hier zusammen?

Manche finden Gemeinde nämlich auch gar nicht besonders attraktiv. Für manche ist Gemeinde ein Problemfall. Es gibt Christen, die mit Gemeinde nichts mehr anfangen können und sich davon distanziert haben.

Gemeinde als Problemfall: 

Ja, Gemeinde ist nicht immer ganz einfach. Denn da trifft man auf die unterschiedlichsten Menschen, und manche davon sind auch etwas kompliziert oder komisch oder vielleicht auch  wirklich unangenehm. In der Gemeinde gibt es nicht nur sympathische, sondern auch unsympathische Menschen. Unsere Mitchristen können wir uns ebensowenig aussuchen wie unsere Familie.

Manchen geht das echt auf die Nerven, und darum gehen sie lieber nicht in eine Gemeinde. Vielleicht haben sie sich auch aufgerieben an den Ecken und Kanten, sind verletzt worden und sind enttäuscht von Gottes Bodenpersonal.  Ja, Jesus ist toll, und Gott ist die Liebe. Aber manchmal tut eine Gemeinde alles, damit man das nicht so merkt. Gemeinde kann auch Problemfall werden, wo sie die Menschen in ein bestimmtes Schema zwängen will. Wo die Religion zur Regel-ion wird und die gute Nachricht immer irgendwie verbunden ist mit einem moralischen Zeigefinger.

Der Religionspädagoge Siegfried Zimmer sagt dazu: „Eine Religion, die keinen befreienden Charakter hat, ist krank.“

Und so haben einige die Gemeinde leider auch als etwas erlebt, was sie geistlich krank gemacht hat. 

Aber es muss nicht immer gleich so krass kommen. Für andere passt vielleicht einfach der Stil einer Gemeinde nicht zu ihrer persönlichen Art zu glauben. Für Jugendliche ist es oft nicht leicht, sich z.B. auf Choräle, Orgelmusik und Traditionen einzulassen. Die Kirchen versuchen viel, um die Jugend auch nach der Konfirmation zu begeistern, aber es bleibt schwierig. Junge Erwachsene und Familien mit kleinen Kindern suchen oft eher eine entspanntere Atmosphäre und mehr Kommunikation.

Aber auch unsere Gemeindeform ist nicht jedermanns und jederfrau Sache. Manche mögen es vielleicht gar nicht, wenn ständig eine so wuselige Atmosphäre ist.  Sie suchen eher die Stille und konzentrierte Meditation, wenn sie ihren Glauben leben.  Anderen ist es nicht emotional genug – die wünschen sich noch mehr Lobpreis, Offenheit und Enthusiasmus.

Gut: Man kann es nicht allen Recht machen. Und trotzdem: Gemeinde gehört irgendwie zum Christsein dazu. So ganz ohne Gemeinde geht es eigentlich nicht. Wir sind gemeinsam unterwegs, und das müssen wir irgendwie hinkriegen.

Ich möchte jetzt mal ein paar Dinge sagen, wie Gemeinde aussehen kann, wie sie vielleicht nicht aussehen sollte, warum wir Gemeinde brauchen und wie wir sie gestalten können.

Wenn wir uns Gemeinde vorstellen, dann findet die Realität meistens zwischen zwei Extremen statt. Das eine Extrem ist so etwas wie ein Ameisen-Staat.

Das Ameisen-Kollektiv: 

Das heißt: Der Einzelne zählt nichts, die Kolonie ist alles.

Nichts gegen die Ameisen, Bienen oder andere nützliche Insekten:  Die zentrale Figur („Königin“) sorgt für die eigentliche Reproduktion, und alles dreht sich nur um diesen Mittelpunkt.

Für Menschen funktioniert das nicht. Das wäre eine Sekte, die sich um einen Sektenführer schart. Einen Starprediger, der neue Leute anlockt und bekehrt und immer die Hauptrolle spielt. Und alles hat sich diesem Mittelpunkt unterzuordnen. In Gemeinden, die zu dieser Richtung neigen, gibt es oft sehr rigide Machtstrukturen und eine starke soziale Kontrolle. Es wird darauf geachtet, dass keiner aus der Reihe tanzt und dass jeder seinen zugewiesenen Platz ausfüllt. Wie gesagt: Das fühlt sich nach Sekte an, aber solche eher engen Strukturen mit einer einzelnen Leitungspersönlichkeit gibt es auch in abgeschwächter Form immer wieder mal. Das ist das eine Extrem. Diese Form kann für manche sehr attraktiv sein, die gerne klare Verhältnisse haben oder sich gerne von andern führen und leiten lassen. Denn so eine klare Struktur schafft immer auch eine emotionale Sicherheit, vorausgesetzt, man spielt das Spiel mit.

Für Freigeister und Abweichler ist das aber alles andere als lustig. Solche Menschen werden in engen Strukturen ständig anecken und werden oft auch an den Rand gedrängt. Ameisen mit nur fünf Beinen, Marienkäfer oder gar  Raupen haben in diesem System keine Chance.

das war also das eine Extrem – jetzt kommt die andere Seite vom Gaul:

Da ist Jeder für sich: 

Hier kommt der radikale Individualismus zur Geltung: Ich bin für meine Spiritualität selbst verantwortlich und suche mir dazu die besten „Zutaten“.  Ich gehe meinen Weg als Christ und suche mir aus, was mir dabei hilft. Ja, Ich gehe auch (mal) in eine Gemeinde, wenn es mir gut tut oder wenn ich Freunde treffen will.  

So ticken heute viele Menschen in der westlichen Welt. Es ist auch ein bisschen eine Folge der Konsumhaltung. Wir nehmen, was wir wollen, aber es gibt keine echte Verpflichtung zur Gegenleistung mehr. Wir müssen und nicht mehr zwingend einbringen. Höchstens vielleicht mit Geld.

Aber auch hier sind wir sehr effizient: Wozu soll ich eine Gemeinde vor Ort besuchen, wenn ich z.B. auf  Youtube hunderte von qualitativ hervorragenden Predigten in allen Geschmacksrichtungen finde? Wenn ich in eine Gemeinde gehe, dann achte ich ganz genau darauf, dass ich meinen Glauben dort auch ungehindert leben kann. Jede Vereinnahmung und jede Infragestellung führen dazu, dass ich einfach wegbleibe. Oder wenn ich mit jemandem in der Gemeinde Stress habe, komme ich eben nicht mehr.

Auch hier: Das ist ein Extrembeispiel. Ganz so krass wird es meistens nicht gelebt. Aber ich hoffe, dass wir verstehen, mit welchen Problemen sich jede Gemeinde heute herumschlagen muss.

Gut – aber wie kam es überhaupt zu der Idee, eine Gemeinde zu gründen? Wie fing denn alles an?

Wenn wir mal ganz am Anfang beginnen, dann geht es erstmal um unsere grundlegende menschliche Entwicklung. Denn Gemeinschaft ist eine…

Ur-Erfahrung des Menschen.: 

Im Prinzip wissen wir das: Niemand kann alleine leben. Wir Menschen sind soziale Wesen, wir sind aufeinander angewiesen. Und wir können nur gemeinsam unser Leben auf eine gute Weise bewältigen. Der Einsiedler in der Wüste oder der Mann in den Bergen sind die absolute Ausnahme.  Nein – der Mensch beginnt sein Leben in Gemeinschaft. Von klein auf erfahren wir Familie und soziale Aktionen.  Es gab einmal ein grausames Experiment von Friedrich II., wo Kinder ohne soziale Zuwendung aufwachsen sollten. Das Experiment misslang. Alle Kinder starben.

Ein sozial gefestiger Mensch kann eine gewisse Zeit alleine sein, aber die Ur-Erfahrung von jedem Menschen ist die Gemeinschaft. Je komplexer und leistungsfähiger eine Gesellschaft werden will, desto mehr und desto intensiver muss sie die sozialen Interaktionen fördern durch Sprache, Schrift, Kultur, Traditionen und so weiter.

Die fortgeschrittensten Zivilisationen haben es alle geschafft, ein komplexes soziales Gemeinwesen zu kultivieren. Also: Gemeinschaft ist eine Ur-Erfahrung, und ohne Gemeinschaft geht es eigentlich gar nicht.

Gemeinde lebt nun ebenfalls in diesen äußeren sozialen Strukturen, aber sie versteht sich auch als Erweiterung dieser Struktur. Zu den normalen sozialen Kontakten kommt jetzt noch die Gemeinschaft mit Gott und die Gemeinschaft mit allen anderen Christen. Gemeinde ist Leib Christi.

Manchmal wird diese Erweiterung auch so stark betont, dass die Gemeinde als etwas verstanden wird, was von der Welt getrennt ist.  Das biblische Wort für Gemeinde ist zum Beispiel „Ekklesia“, und das bedeutet wörtlich „Die Gemeinschaft der Menschen, die heraus gerufen sind“. Also die Erwählten, die Besonderen. Manche Gemeinden verstehen sich als ein elitärer Kreis von Erwählten. Da draußen die böse Welt und hier drinnen die Erwählten, die aus der Welt Herausgerufenen.

Die Gemeinde als Kreis der Auserwählten:

Auch das ist ein einseitiges Verständnis. Leider gibt es Christen, die das auch theologisch noch stärker festklopfen. Die sagen: Ja, die Welt geht den Bach runter, aber wir sind heraus gerufen. Wir müssen nur durchhalten und treu sein, bis Jesus wiederkommt. Und der macht dann alles neu, und wir dürfen dann mit ihm ins Paradies.

Diese Christen verstehen Gemeinde also als eine Gruppe besonderer Menschen, die sich von der Gesellschaft abgrenzt und abkapselt. Die also möglichst wenig Gemeinschaft mit der Welt „da draußen“ haben will.

Wenn wir aber lesen, wie Gemeinde in der Bibel verstanden und gelebt wird, dann können wir dieses einseitige Verständnis auf keinen Fall durchhalten. Im Gegenteil.

Es hat mal jemand gesagt: „Für einen Mann mit einem Hammer ist jedes Problem ein Nagel“

Und für einen Christen, der sich hauptsächlich damit beschäftigt, wie man in den Himmel kommt, ist die Gemeinde dazu da, dass Menschen in den Himmel kommen.

Was aber wäre, wenn die Gemeinde dazu da ist, dass der Himmel auf die Erde kommt?

Das ist das Verständnis der…

Gemeinde als Leib Christi: 

Ich denke, wenn wir die Bibel lesen, dann merken wir vor allem eines: Jesus wollte, dass Menschen in Kontakt kommen mit Gottes Liebe. Gott soll unser König sein. Und wir sollen unser ganzes Leben versuchen so zu leben und so zu lieben, wie Jesus es getan hat. Nichts anderes heißt: Jesus nachfolgen.

Was heißt das für die Gemeinde? Gemeinde ist nicht der Weg, wie wir von dieser Erde weg in den Himmel kommen, sondern Gemeinde ist der Weg, auf dem Jesus auf diese Erde kommt. Gemeinde ist der Weg, auf dem seine Liebe und seine Herrschaft Gestalt gewinnen. Konkret auf dieser Erde, in unserer Gesellschaft, in unseren Ländern und Staaten.

Die Bibel spricht von der Gemeinde als der Leib Christi. Das heißt: In der Gemeinde ist Jesus gegenwärtig da – mitten auf dieser Erde.

Wir warten und hoffen, dass Jesus wiederkommt und dieser Erde erneuert. Was wäre, wenn er in der Gemeinde schon längst auch da ist und schon damit angefangen hat, diese Erde zu erneuern?

In der Offenbarung gibt es ein phantastisches Bild. Viele meinen ja, die Christen, das sind die, die am Schluss in den Himmel kommen. Aber dieses Bild sieht ganz anders aus. In diesem Bild kommt die Gemeinde aus dem Himmel herab auf die Erde.

Vielleicht sollten wir uns mehr an diesem Bild orientieren: Gemeinde ist der Himmel, der auf die Erde kommen wird. Gemeinde soll Vorgeschmack auf die Ewigkeit sein.

Und damit sind wir beim offiziellen Predigttext für heute:

Wachstum in Liebe:  Miteinander und füreinander

Phil 2,1   Wenn es nun irgendeine Ermunterung in Christus gibt, wenn irgendeinen Trost der Liebe, wenn irgendeine Gemeinschaft des Geistes, wenn irgendein herzliches Mitleid und Erbarmen,  2 so erfüllt meine Freude, dass ihr dieselbe Gesinnung und dieselbe Liebe habt, einmütig, eines Sinnes seid,  3 nichts aus Eigennutz oder eitler Ruhmsucht tut, sondern dass in der Demut einer den anderen höher achtet als sich selbst;  4 ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern ein jeder auch auf das der anderen.  (Text: Rev. Elberfelder)

Wenn wir so leben würden, dann wäre das Himmel auf Erden. Da wollen wir hin. Dafür ist Gemeinde da.

Damit dieser Text etwas greifbarer und konkreter wird, möchte ich das mal an ein paar „Feldern“ verdeutlichen: 

Minenfeld, Sichtfeld, Übungsfeld, Spielfeld, Umfeld, Kraftfeld

Jetzt wird es erstmal gefährlich:

Minenfeld:  Ich hatte schon zum Anfang gesagt: Gemeinde kann auch Problemfall sein. Wer schon länger in eine Gemeinde geht,  weiß ganz genau, wie das ist:  Verletzungen sind möglich und sogar wahrscheinlich. Wer schon einmal verletzt wurde, wägt sorgfältig ab, ob er sich darauf noch einmal einlässt. Eines ist klar: Es muss das Risiko wert sein! Umgang mit anderen Menschen ist niemals einfach. Es braucht Mut, sich einzulassen, und es braucht die Bereitschaft, den Weg aufeinander zu zu gehen. Es ist der Weg der vielen Fettnäpfchen. Und leider liegt manchmal sogar eine sehr explosive Tretmine unter der Oberfläche mancher Menschen. Manchmal liegt sie auch unter unserer eigenen Oberfläche.

Darum ist es glaube ich sehr wichtig, wenn wir auch viel Zeit darauf verwenden, diese Tretminen und Fettnäpfchen auszubuddeln und zu entschärfen. 

Das heißt konkret: Wir brauchen Christen, die bereit sind, an sich selbst zu arbeiten. Damit wir fähig werden zu einem heilsamen Umgang miteinander. Gerade hier gilt das Gleichnis vom Splitter und vom Balken – dass wir nicht erwarten, dass sich zuerst die anderen ändern, sondern dass wir aktiv selbst an uns arbeiten. Dass wir den dunklen Stellen unserer Seele auf den Grund gehen, damit sie nicht zur Tretmine für andere werden. Harte Arbeit, aber die lohnt sich wirklich.

Sichtfeld: Eines der wertvollsten Dinge von Gemeinschaft ist, dass ich dazu lernen kann. Vier Augen sehen mehr als zwei, und eine ganze Gemeinde kann ein sehr großes Sichtfeld haben. Die Perspektive der anderen gemeinsam ist immer größer als meine eigene. Im Zeitalter der sozialen Medien ist das eine der wertvollsten Errungenschaften: Auf einmal werden wir mit Meinungen und Gedanken und Perspektiven konfrontiert, von denen wir bisher nicht die geringste Ahnung hatten. Und oft sind diese Perspektiven wirklich hilfreich.

Im Internet gibt es einen Begriff dafür, wenn Leute sich zu sehr von anderen Meinung abgrenzen und nur noch ihre Lieblingsgedanken hören wollen. Das ist eine Filterblase. Man schwebt in einer Blase der Seligen, und alles was stört, wird weggefiltert. Aber wenn man sich auf andere einlässt, geht das nicht mehr. Dann platzt diese Blase. Das kann uns erstmal etwas erschrecken. Aber es ist unendlich heilsam. Und in jeder Gemeinde passiert das hoffentlich ständig. Dass wir uns gegenseitig helfen, korrigieren, neue Perspektiven einbringen und voneinander lernen.

Übungsfeld: Wie wird ein Christ eigentlich zu einem reifen Christen? Das geht wie vieles im Leben nicht von alleine, sondern wir brauchen Übung, wir brauchen Bewährungsproben und wir brauchen Gelegenheit, auch mal in einem geschützten Rahmen üben zu können. Eine Gemeinde ist wie ein Trainingsplatz für das Leben, zu dem Du berufen bist.  Beispiel: Wie viele großartige Leiter sind durch Gemeindearbeit zu Leitern geworden? Wir haben früher in der EC-Jugendarbeit unsere ersten tapsigen Versuche gemacht, wie man eine Gruppe leitet oder organisiert. Wie viele junge Christen, die ihre Wurzeln in der Gemeindearbeit haben, sind später zu grandiosen Musikern geworden, zu phantastischen Lehrern, zu guten Vätern und Müttern, zu Sozialkompetenz-Experten. Gemeinde ist Übungsfeld. 

Spielfeld:  In einer Gemeinde lernt man nicht nur persönliche Kompetenzen, sondern auch Mannschaftsspiel. Teamplay.  Es ist wahrhaftig kein Geheimnis, dass ein gut eingespieltes Team immer mehr erreichen kann als ein einzelner Mensch. Aber auch Teamarbeit will gelernt sein. Die Bibel verwendet für die Gemeinde das Bild vom Leib und den Gliedern. Jedes Glied am Körper, jedes Organ, jedes Gelenk, jeder Muskel hat eine eigene spezielle Aufgabe. Und nur gemeinsam bilden diese Glieder einen funktionsfähigen und gesunden Leib. In einer Gemeinde müssen wir uns oft gegenseitig den Ball zuspielen, und dieser gemeinsame Weg kann zu einem wunderbaren Tanz von Selbstlosigkeit, Liebe, Demut und Hingabe werden. Kein Konkurrenzkampf, wo jeder gegen jeden spielt, sondern ein gemeinsames Spiel, wo alle gewinnen – mehr als jeder einzelne es jemals könnte.

Umfeld: Man könnte auch vom „Missionsfeld“ sprechen. Das ist ein alter Begriff für „da draußen“. Dahinter steckt die Idee von der Gemeinde als Schutz- und Trutzburg, und die ganz tapferen missionarischen Christen wagen sich in die Wildnis, um Menschen hinein zu holen. Und dann, eines Tages, holt uns der Herr Jesus zu sich in den Himmel.

Das ist wie gesagt keine besonders hilfreiche Sicht auf Gemeinde. 

Jesus hat nie davon gesprochen, sich hinter Mauern zu verschanzen. Er sagte seinen Jüngern zu: Ihr seid das Licht der Welt und ihr seid das Salz der Erde.  Hier kann Gemeinde zeigen, wozu sie da ist: Sie ist nicht für sich selbst da. Gemeinde ist kein Tupper-Behälter, in dem die Christen bis zur Ewigkeit frisch gehalten werden. Sondern Gemeinde ist ein Salzstreuer, mit dem dieser Welt eine wohlschmeckende und gesunde Würze geschenkt wird. 

Und letztens:

Kraftfeld: Luther hat einmal gesagt: „Gott ist ein glühender Backofen voller Liebe, der da reichet von der Erde bis an den Himmel.“ Und im Idealfall ist eine Gemeinde genau der Ort, an dem wir diese Liebe erfahren können.  Wer in dieses Kraftfeld der Liebe gerät, wird angezogen, wird gepackt. Und hoffentlich wird er Gottes heilende Liebe spüren. Vergebung, Neuanfang. Echte Zuwendung.  Eine Gemeinde soll ein Ort sein, an dem das spürbar wird.  Nun, auch Luther wusste, dass das nicht immer der Fall ist, und darum fügte er hinzu: „Diese Liebe spür ich noch nicht unter euch hier in Wittenberg, obwohl euch viele Predigten darüber gehalten wurden. Aber in dieser Liebe sollt ihr euch förderlich üben.“

Sei ein Minenräumkommando

Sei Lernende

Habe den Mut, Anfänger und Übender zu sein

Sei eine Teamspielerin

Lass dich senden

Trage zur „lokalen Erwärmung“ bei für den Backofen der Liebe Gottes.