Kennst du dein wahres Selbst?

Die Gottesdienste nach Ostern stehen unter dem schönen Thema: Freudenzeit. Wir glauben, dass wir durch Christus mit Gott versöhnt sind und ein neues Leben geschenkt bekommen haben. Wir feiern die Auferstehung und die Überwindung des Todes.

Was heißt das konkret für uns als Christen, wenn wir in der Nachfolge von Jesus leben wollen? Es ist ja eine Sache, dass wir uns über seine Auferstehung freuen, aber wenn uns jemand fragt, was das konkret in unserem Leben für Auswirkungen hat, dann müssen wir oft etwas nachdenken.

Was ist eigentlich das Neue am neuen Leben? Was bedeutet es, dass wir als Christen eine „neue Kreatur“ sind? Was ist denn das neue Lied, das wir singen? Wie verändert unser Glaube unser tatsächliches Leben?

Ich möchte heute nochmal einen Text zugrunde legen, der eigentlich letzte Woche offizieller Predigttext war. Ich habe ihn mir da angeschaut und bin etwas daran hängen geblieben.

2. Korinther 4, 16-18:

Mögen auch die Kräfte unseres äußeren Menschen aufgerieben werden – unser innerer Mensch wird Tag für Tag erneuert. Denn die Nöte, die wir jetzt durchmachen, sind nur eine kleine Last und gehen bald vorüber, und sie bringen uns etwas, was von unvergleichlich viel größerem Gewicht ist: eine unvorstellbare und alles überragende Herrlichkeit, die nie vergeht. Wir richten unseren Blick nämlich nicht auf das, was wir sehen, sondern auf das, was jetzt noch unsichtbar ist. Denn das Sichtbare ist vergänglich, aber das Unsichtbare ist ewig. (NGÜ)

Auf den ersten Blick scheint dieser Text uns ziemlich deutlich auf das zu verweisen, was wir als Christen „das Leben nach dem Tod“ nennen. Unser Leben jetzt und hier ist oft mit Problemen beladen und muss auch oft erduldet werden, aber dann, nach unserem Tod, kommt die Herrlichkeit mit dem ewigen 7-Gänge-Menü und der Präsidentensuite in der goldenen Stadt im Himmel.

Ich möchte das jetzt nicht klein reden. Aber: es hört sich ein wenig danach an: Haltet noch ein bisschen durch und schaut nach vorne – das Schönste kommt noch. Nicht jetzt – aber nach dem Tod in der Ewigkeit.

Und ja, vielleicht kann man diesen Gedanken auch durchaus denken, wenn man Paulus hier liest. Ich habe diesen Text auch schon oft aus diesem Blickwinkel betrachtet.

Aber es steckt noch mehr darin. Denn wenn wir bei diesem Text sofort an das Leben nach dem Tod denken, verpassen wir eine ganze Menge von dem, was er uns für unser Leben jetzt und hier vermitteln will.

Paulus arbeitet mit mehreren Bildern, um seine Gedanken zu erklären. Werfen wir mal einen Blick darauf:

1. Zwei Perspektiven auf den Menschen

Da ist zunächst das Bild vom äußeren und vom inneren Menschen. Wir können vielleicht sagen: Er beschreibt hier den Körper auf der einen Seite, die Materie, aus der wir bestehen, die biologische Hardware. Und auf der anderen Seite unsere seelisch-geistige Innenwelt, also unsere Persönlichkeit, unser Ich.

Das Äußere unterliegt einem ganz normalen biologischen Zerfall. Älterwerden, gebrechlich werden, Schwäche erfahren, krank werden, aufgerieben werden. Schließlich auch sterben.

Im Gegensatz dazu beschreibt Paulus die geistig-seelische Innenwelt als etwas, was diesem Zerfall nicht unterliegt. Im Gegenteil: Dieses Innere hat die Fähigkeit zur kontinuierlichen Erneuerung.

Warum ist das so wichtig? Glauben hat extrem viel mit unserem Innenleben zu tun. Und obwohl man Körper und Seele niemals getrennt sehen sollte, muss man sie doch unterscheiden. Man kann als Mensch äußerlich ganz hervorragend, gesund, kräftig und lange leben. Man kann Erfolg haben und etwas bewegen und bewirken und arbeiten. Und trotzdem kann man innerlich zugrunde gehen.  In der letzten Woche ging die Nachricht vom frühen Tod des Sängers Avicii durch die Presse. Man weiß noch nicht sicher, ob es jetzt ein Selbstmord war, aber seine letzten Äußerungen deuten darauf hin, dass er innerlich nicht mehr konnte – obwohl er äußerlich einer der erfolgreichsten Künstler der letzten Jahre war.

Umgekehrt gibt es das natürlich auch: Vor nicht allzu langer Zeit ist der faszinierende Wissenschaftler Stephen Hawking gestorben. Er war nicht berühmt für seinen starken Körper und seine kraftstrotzende Gesundheit. Im Gegenteil! Bei ihm war es gerade sein wacher Geist, sein Lebenswille, sein unermüdlicher Forscherdrang, die ihn berühmt machten.

Wer sich mit dem Glauben beschäftigt, muss diese Unterscheidung kennen. Das heißt nicht, dass unser Körper unwichtig ist. Ganz sicher nicht. Unser Geist und unsere Seele sind untrennbar mit unserem Körper verbunden, und erst der Tod reißt das auseinander. Trennen kann man es nicht, aber unterscheiden muss man es doch.

Paulus legt nun den Schwerpunkt auf die faszinierende Fähigkeit unseres Innenlebens, das sich über unser ganzes Leben entwickeln und erneuern kann.

Der zweite Gedanke, der uns hier begegnet, betrifft unsere innere Ausrichtung. Wir können uns innerlich auf alles Mögliche ausrichten. Auf unsere Familie, unseren Beruf, auf einen Sport oder ein Hobby. Auf ein Ziel, das wir erreichen wollen. Auf unser Handy oder die nächste gute Mahlzeit. Und das alles können wichtige und legitime Dinge sein, die uns ganz erheblich in Beschlag nehmen. Manche Dinge betreffen uns so unmittelbar, dass sie uns extrem belasten. Beziehungsstress, Krankheiten, Schicksalsschläge, existenzielle Bedrohungen. Diese Dinge nehmen dann unsere ganze Aufmerksamkeit und Kraft in Anspruch.  Und sie sind dann auch extrem anstrengend.

Es ist alles andere als einfach, als Mensch auf dieser Erde zu leben. So lange es uns gut geht, merken wir das vielleicht nicht. Aber sobald unsere Kräfte nicht mehr ausreichen, um die alltäglichen Probleme zu bewältigen, wird es richtig krass.

Ich frage mich manchmal: Wie um alles in der Welt kommt Paulus hier dazu zu sagen, dass diese wahnsinnigen Herausforderungen nur leicht sind? Diese Aussage muss man sich erstmal auf der Zunge zergehen lassen.

Wie schafft Paulus es, so etwas zu sagen? Es hat etwas mit seiner Ausrichtung zu tun.

Die erste Ausrichtung war: Von außen nach innen.

Die zweite Ausrichtung ist: Von dem, was uns unmittelbar betrifft auf das, was uns ewig betrifft.

Seine Gedanken gehen noch etwas weiter. Der dritte Perpektivenwechsel ist weg von dem, was vorübergehend Sichtbar ist  – hin auf das Unsichtbare, das ewig bleibt.

Hier wollen wir jetzt etwas tiefer einsteigen. Ich möchte diese Aussagen jetzt mal nicht einfach auf das Diesseits und das Jenseits beziehen. Oder auf das Leben vor unserem Tod und das Leben in der Ewigkeit. Ich glaube, diese Themen sind den meisten sehr geläufig. Ich möchte mal einen Teilbereich dieser Frage ausleuchten, den wir ziemlich schnell übersehen.

Das ist die Frage, was in unserem Leben jetzt und hier sichtbar ist und was unsichtbar ist. Es ist die Frage, was wir anderen von uns zeigen und was wir verbergen. Und es ist die Frage, welches Bild wir von uns selbst haben, was wir von uns selbst sehen – und wer wir aber in Wahrheit sind, was unter unserer Oberfläche schlummert.

Denn da gibt es etwas, was unter der Oberfläche, unsichtbar, in unserem Leben ist, was offenbar werden muss. Wenn man den Text von Paulus weiter liest, läuft es nämlich genau darauf hinaus. Das ist ein Prozess, dem wir uns auf Dauer nicht entziehen können.

Ich sage mal so: Wenn wir mal nach unserem Tod vor Gott stehen, dann werden alle Karten aufgedeckt. Dann wird dieses Innere, das Unsichtbare, vollständig offenbar.

Die Frage ist: Wollen wir so lange warten? Oder ist es nicht vielmehr so, dass Gott schon jetzt an uns arbeitet und uns hinführen möchte zu einem neuen Leben?

Ist es nicht unsere Aufgabe als Nachfolgerinnen und Nachfolger Jesu, dass wir vor ihm offenbar werden?

Fast allen Menschen geht es so, dass sie nach außen hin etwas zeigen, was sie in der Tiefe ihrer Seele nicht wirklich sind. Wir tragen Masken. Wir tragen ein falsches Bild von uns selbst zur Schau. Und meistens haben wir selbst auch ein falsches Bild von uns Selbst.

Wenn wir diesen Perspektivenwechsel von Paulus auf uns anwenden, dann geht es darum, diese Täuschung zu überwinden und unser ewiges, wahres Selbst zu finden.

Wir können das falsche Selbstbild dekonstruieren und unser wahres Selbst in Christus finden.

Manche versuchen, ihre Maske, ihr mühsam aufgebautes Selbstbild, mit aller Macht aufrecht zu erhalten. Das kostet uns wahnsinnig viel Kraft. Die meisten halten das auch nicht durch.

Im ersten Moment scheint es viel anstrengender und erschreckender  zu sein, die Masken abzulegen.  Aber auf lange Frist ist es viel erschreckender und anstrengender, die Maske aufrecht zu erhalten.

C.S.Lewis hat mal (sinngemäß) gesagt: Es mag für ein Ei ein überaus komplizierter Prozess sein, sich in einen Vogel zu verwandeln. Und dieser Prozess geht nicht ohne Anstrengung und den Zerbruch der äußeren Hülle vonstatten. Aber noch schwieriger und zerstörerischer wäre es, das Fliegen zu lernen, so lange man noch ein Ei ist.

Es gibt etwas viel Besseres als das alte, falsche Selbstbild! Unser wahres Selbst ist in Christus neu geschaffen. Darum ging es an Ostern. Bei Kreuz und Auferstehung.

Das Kreuz ist auch ein Sinnbild für den Tod des alten Lebens. Wir sind mit Christus gestorben. Und die Auferstehung ist auch Sinnbild für das erneuerte, ewige Leben. Wir sind mit Christus auferstanden.

Wie können wir an unser wahres Selbst  heran kommen?  Wie können wir lernen, in dieser neuen Realität zu leben? Das ist eine spannende Frage, und wir sollten sie nicht auf das Leben nach dem Tod verschieben.

Es ist absolut schockierend, wenn unsere Maske zerstört wird. Wenn sie dekonstruiert wird oder wenn sie uns jemand vom Gesicht reißt. Solange wir keinen Zugang zu unserem wahren Selbst haben, ist dieser Gedanke verstörend, und wir werden uns mit aller Macht dagegen wehren.

Dazu ein paar Impulse, die ich für wesentlich halte.

1. Begib dich auf die Suche nach deiner wahren Identität in Christus.

Was ist das wahre Selbst? Das ist dein von Gott geschaffenes individuelles Leben. Das ist die allererste Aussage, die wir in der Bibel überhaupt finden zu dieser Frage, wer wir sind:

Wir sind geschaffen zum Bild Gottes. Das ist die Schöpfung, über die Gott sagt: Sehr gut! Ganz prima!

Dieses Urbild des Menschen steckt in uns allen drin. Jeder ist ein einzigartiges geliebtes Geschöpf, Sohn und Tochter Gottes. Sehr gut gemacht!

Als Jesus anfing, öffentlich aufzutreten, begann alles mit dieser zentralen Aussage. Er wurde ja von Johannes dem Täufer getauft, und da kommt es zu dieser Szene, in der auf einmal der Himmel sich öffnet und Gott selbst zu ihm sagt: Du bist mein geliebter Sohn!  An dir habe ich Wohlgefallen!

Stell’ dir vor, Gott sagt: Du bist mein Sohn – du bist meine Tochter. An dir habe ich Wohlgefallen. Du bist sehr gut!

Psalm 139: „Du bist es, der meinen Körper und meine Seele erschaffen hat,

kunstvoll hast du mich gebildet im Leib meiner Mutter.

Ich danke dir dafür, dass ich so wunderbar erschaffen bin,

es erfüllt mich mit Ehrfurcht.

Ja, das habe ich erkannt: Deine Werke sind wunderbar!“

Ganz oft definieren wir uns über unsere Defizite. Über das, was wir nicht können. Über die Fehler, die wir machen. Oder christlich gesprochen: Über unsere Sünde und Schuld.

Gott definiert uns über das, was er in uns hinein gelegt hat: Ausgezeichnet, erstaunlich und wunderbar.

Ich bin sehr dankbar darüber, dass die „Evangelische Allianz Deutschland“ einen Grundlagentext überarbeitet hat:

Über den Menschen hieß es da früher im Prinzip nur, dass er völlig sündhaft ist, von Gott abgefallen und in seiner Schuld dem Zorn Gottes und der Verdammnis ausgesetzt. Das ist zwar eine Aussage, zu der man aufgrund der Bibel kommen kann, aber sie ist am Ende doch ziemlich einseitig.

Jetzt hat man das Ganze neu formuliert: „Der Mensch besitzt als Ebenbild Gottes eine unverwechselbare Würde.“ Oh! Das hört sich schon ganz anders an, und ja, auch das sagt die Bibel. Am Ende heißt es dann natürlich immer noch: „Er ist durch Sünde und Schuld von Gott getrennt.“  Aber was für ein Unterschied!

Dieses Beispiel macht klar, wie wichtig das Thema Identität ist. Und wie problematisch das christliche Menschenbild früher oft dargestellt wurde. Mit einer einseitigen Betonung auf dem Schlechten.

Ich kenne leider tatsächlich Christen, die unter diesem Vorzeichen aufgewachsen sind und sich immer zuerst als Sünder und Versager gesehen haben – und nicht zuerst als wunderbare Geschöpfe Gottes.

Ja, natürlich geht es in der Bibel auch um Sünde. Und es geht um die Frage, wie die Beziehung zu Gott wieder hergestellt werden kann. Diese Frage ist aber in Christus eindeutig beantwortet: Die Trennung ist aufgehoben. Ein für allemal aufgehoben.

Ein großes Problem ist allerdings, dass wir das oft nicht glauben. Dass wir uns immer noch in erster Linie aus dieser Sünder-Perspektive betrachten, und nicht aus der Kind-Gottes-Perspektive.

Darum gehört es zu den wichtigsten Aufgaben für jeden Christen, die Sicht auf uns selbst mit Gottes Hilfe zu korrigieren. Begib dich auf die Suche nach deiner wahren Identität in Christus.

2. Identifiziere deine Masken

Es ist gar nicht so einfach, unser verzerrtes Bild von uns selbst zu korrigieren. Bevor wir unsere Maske vom Gesicht nehmen können, müssen wir erst einmal unterscheiden lernen: Was gehört denn wirklich zu mir, und was ist nur eine Maske, die ich trage? Was ist das, was Gott an unverwechselbarer Identität in mich hinein gelegt hat, und was habe ich für verschiedenen Schichten darüber gelegt?

Jeder Mensch muss in seine Leben mit ganz unterschiedlichen Problemen fertig werden. Dabei können wir sehr unglücklich und falsch reagieren. Wir können schädliche Strategien entwickeln, um unser Leben zu bewältigen.

Zu Beispiel können wir ein Problem aussitzen, vom Problem ablenken, wir können aggressiv werden, unseren Ärger unterdrücken, herumtricksen, wir können daran verzweifeln oder das Problem rationalisieren, wir können davor weglaufen oder es einfach leugnen.

Jeder von uns hat seine Strategien entwickelt…

Von außen betrachtet gehören diese Strategien zu unserem typischen Charakter. Sie sind über die Jahre für uns zu einer zweiten Natur geworden.  Es ist gar nicht so einfach, diese Strategien als etwas zu erkennen, was nicht unserem wahren Selbst entspricht, sondern wie ein Schutzpanzer verhindert, dass unser wahres Selbst sichtbar wird und sich entfalten kann, so wie Gott uns gedacht hat.

Dieser Prozess ist alles andere als einfach. Das tut weh, sich selbst einzugestehen, dass ein großer Teil meines Verhaltens vor allem eine Abwehrstrategie ist. Eine Abwehrstrategie, die ich mir im Laufe meines Lebens aufgebaut habe, um nicht verletzt zu werden, um irgendwie mit den Problemen fertig zu werden, die in meinem Leben aufgelaufen sind.

Für Christen kann man diese Abwehrstrategie auch als eine Form von Sünde betrachten. Aber damit meine ich jetzt nicht einfach bewusst schuldhaftes Verhalten, sondern etwas, was sich systematisch in unserem Leben verfestigt hat.

Beispiel: Manche benutzen die Lüge, um ihren Schutzpanzer aufrecht zu erhalten. Sie basteln sich ihre eigene Wahrheit zurecht, in der sie als perfekte Menschen dastehen. Dabei merken sie gar nicht mehr, wie sie die Wahrheit beugen und hindrehen, damit nichts wackelt.

Manche sind voller Selbstgerechtigkeit. Sie machen scheinbar alles richtig und blicken kritisch auf andere herab. Sie können die Fehler und Defizite der anderen messerscharf darstellen, aber sie merken nicht, dass sie selbst Opfer eines zerstörerischen Perfektionismus sind.

Manche sind brillante Denker. Sie haben großes Wissen und viel Kompetenz angesammelt, aber dabei bleiben sie in der Beobachterrolle. Sie schauen nur von außen auf die Dinge, aber sind nur schwer dazu zu bewegen, sich selbst und ihre Gaben einzubringen zum Wohl anderer. Sie geizen mit Hingabe.

Noch ein Beispiel: Manche sind nach außen sehr ausgeglichen und friedlich, aber in Wahrheit liegt das daran, dass sie Unruhe und Konflikte verabscheuen. Wenn es Probleme gibt, igeln sie sich lieber ein und flüchten in ihre eigene heile Welt statt sich aktiv einzumischen. Dabei könnten gerade sie zur Lösung vieler Probleme beitragen. Doch dazu sind sie zu träge.

In diesen und vielen anderen Beispiel kann man sehen, wie wir uns raffinierte Strategien zurecht gelegt haben, um bestimmte Dinge zu vermeiden und manche dunklen Seiten unseres Charakters auch selbst nicht anschauen zu müssen.

Es ist ein riesengroßer Schritt auf dem Weg zu geistlicher Reife, wenn wir diesen professionellen Selbstbetrug in unserem Leben erkennen. Wenn wir uns selbst auf die Schliche kommen. Und wenn wir es dann wagen, diese Maske vorsichtig zu lüften und abzunehmen.

Wenn wir ganz neu erkennen, wer wir unter dieser Schutzschicht wirklich sind.

Wie Gott uns gedacht hat.

Wer wir in Christus sind, geschaffen zum Bild Gottes. Erlöst und frei.

Zu diesem Perpektivenwechsel lädt uns Paulus ein. Es geht nicht nur um Diesseits und Jenseits. Sondern es geht um unsere Innenwelt, es geht um das Unsichtbare und das Ewige, was Gott in uns hinein gelegt hat.

Eines Tages wird das vollständig aufgedeckt und sichtbar werden.

Aber seit der Auferstehung Jesu Christi haben wir bereits jetzt den Zugang dazu. Der Weg ist nicht mehr versperrt. Wir können ihn gehen. Darum ist das eine Einladung, dass wir es wagen, diesen Weg zu gehen. Unser falsches Selbst und unsere Masken ablegen. Paulus sagt es etwas drastisch: Den alten Menschen kreuzigen (Gal 2,19).

Und dann das, was Gott in uns geschaffen hat, unser wahres Selbst, zu entdecken und lernen, darin zu leben.